Was bisher geschah
Seit März erneuert der Netzbetreiber zwischen Möhringen und Degerloch eine zentrale Hochspannungstrasse – rund vier Kilometer unterirdische Kabel verbinden die beiden Umspannwerke miteinander. Um die Arbeiten effizient und ressourcenschonend umzusetzen, nutzte der Netzbetreiber ein innovatives, minimal-invasives Verfahren: Das bestehende Stahlschutzrohr wurde wiederverwendet. Entlang der Strecke hoben die Fachleute neun Baugruben aus, um das alte Kabel aus diesem heraus- und das neue hineinzuziehen.
Die neue Verbindung kam per Schwertransport auf riesigen Kabeltrommeln mit jeweils 400 Metern Kabel. Abschnitt für Abschnitt zogen die Experten dieses in das vorhandene Leerrohr ein.
Der Härtetest
Doch wie testet man ein Kabel, das genug Energie für mehrere Stadtteile transportiert? Die Last, die dafür nötig wäre, lässt sich nicht einfach aus der Steckdose ziehen. Deshalb erhielten die Stuttgart Netze für den abschließenden Test am 28. Oktober Unterstützung von der Netze BW. Sie brachte ein sogenanntes Resonanzprüfsystem mit – ein mobiles Hochspannungslabor, das rund 42 Tonnen wiegt und per LKW zur Baustelle kam.
Dabei werden das Kabel und eine spezielle Spule so miteinander verbunden, dass eine gleichmäßige Hochspannung entsteht – in diesem Fall die doppelte Spannung, die im späteren Netzbetrieb anliegt. Gegen Mittag stand das Ergebnis fest: Test bestanden. Die neue Verbindung ist bereit für den Dauerbetrieb und damit für die sichere Stromversorgung tausender Haushalte Stuttgarts.
Die Stromautobahn ist wieder frei
„Man kann sich das Stromnetz wie ein Straßennetz vorstellen“, erklärt Dominique Kloss, verantwortlicher Ingenieur bei der Stuttgart Netze. „Die Hochspannungsverbindungen sind dabei unsere Autobahnen – sie transportieren große Energiemengen quer durch die Stadt. Jetzt, da die Verbindung zwischen Möhringen und Degerloch wieder frei ist, verteilt sich der Stromfluss gleichmäßiger. Auf den anderen Leitungen herrscht dadurch weniger Verkehr.“
Besonders erfreut zeigt sich Kloss über den gelungenen Abschluss kurz vor dem Winter: „In der kalten Jahreszeit fließt auf unseren Leitungen deutlich mehr Strom als im Sommer. Umso wichtiger war es, dass wir dieses Projekt rechtzeitig fertigstellen konnten. So ist das Netz stabil aufgestellt – und wir können uns neuen Aufgaben widmen, ohne den reibungslosen Betrieb zu gefährden.“


