Redispatch 2.0

Erneuerbare Energien werden immer weiter ausgebaut, doch mit einem vollständigen Netzausbau kann erst in ca. 10 Jahren gerechnet werden. In der Zwischenzeit müssen die Lücken im Netzfluss überbrückt und die schwankenden Einspeisungen aus erneuerbaren Energien ausgeglichen werden. Hierfür wird Redispatch angewendet. 

Themen im Überblick

Was ist Redispatch?

Unter Redispatch versteht man einen kurzfristigen Eingriff in die Erzeugungsleistung von Kraftwerken. Bei Engpässen im Netz werden Kraftwerke angewiesen, ihre Einspeisung zu reduzieren. Anlagen jenseits von Engpässen müssen dagegen ihre Einspeiseleistung erhöhen. Dadurch werden Leitungsabschnitte vor einer Überlastung geschützt und gleichzeitig wird die Versorgungssicherheit aufrechterhalten. Derzeit erfolgt Redispatch nur durch die Regelung konventioneller Kraftwerke mit einer installierten Leistung von mindestens 10 MW. Künftig sind aber auch kleinere Erzeuger betroffen (siehe unten).
Eine anschauliche Erklärung des Themas erhalten Sie in dem folgenden Video der Bundesnetzagentur:

Youtube VIdeo

Redispatch 2.0

Derzeit erfolgt Redispatch nur in den oberen Spannungsebenen. Seit das „Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz“ (NABEG 2.0) verabschiedet wurde, steht fest, dass ab dem 1. Oktober 2021 auch

•    Erneuerbare-Energien-Anlagen (EE-Anlagen)
•    Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen) 
•    sowie Speicheranlagen 

ab einer installierten Leistung von 100 kW von den Redispatch-Maßnahmen betroffen sind. Deswegen „Redispatch 2.0“.

Mit Redispatch 2.0 soll die Entwicklung von Last und Einspeisung prognostiziert werden. Zudem sollen die Maßnahmen gegen zu erwartende Überlastungen oder Engpässe schon im Vorfeld eingeleitet werden. Das Verfahren basiert zukünftig somit stärker auf Plandaten und Prognosen. Außerdem sollen die Gesamtkosten aus dem konventionellen Redispatch und dem Einspeisemanagement optimiert werden. Damit können die Netzentgelte gesenkt werden. 

Vorbereitung und Umsetzung

Derzeit sind ca. 150 Anlagen mit mehr als 100 kW Leistung an das Netz der Stuttgart Netze angeschlossen. Alle Anlagenbesitzer erhalten zeitnah einen Brief von uns. Bis zum 1. Oktober 2021 müssen die Prozesse dann umgesetzt sein.
 

Fragen und Antworten

Wer ist von den neuen Regelungen betroffen?

Neben Anlagenbetreibern sind auch Netzbetreiber wie die Stuttgart Netze von den Regelungen betroffen. Beide müssen die neuen Prozesse und Aufgaben fristgerecht umsetzen.

•    Anlagenbetreiber

  • Betroffen sind alle EEG- und KWK-Anlagen, konventionelle Energieanlagen und Speicher mit einer Leistung von mehr als 100 kW. Auch EE- und KWK-Anlagen die dauerhaft durch einen Netzbetreiber steuerbar sind gehören dazu. 

•    Netzbetreiber

  • Redispatch 2.0 ist für alle Netzbetreiber relevant, die EEG- und KWK-Anlagen, konventionelle Energieanlagen und Speicher mit einer Leistung von mehr als 100 kW an ihr Netz angeschlossen haben. Darüber hinaus sind steuerbare Anlagen kleiner gleich 100kW miteinzubeziehen. 
     
Ist Redispatch 2.0 verpflichtend umzusetzen?

Ja, es handelt sich um eine gesetzliche Vorgabe. Sie steht in § 13a EnWG und § 14 EnWG in der Version des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes vom 13. Mai 2019.

Welche Aufgaben haben Anlagenbetreiber in Zusammenhang mit Redispatch 2.0?

Folgende Aufgaben müssen Anlagenbetreiber oder ihre Dienstleister für den Redispatch 2.0 erfüllen:
•    Stammdaten der Erzeugungseinheiten liefern
•    Prognosen für die Erzeugungseinheiten liefern (Planwertmodell)
•    Informationen über Beschränkungen mitteilen
•    Echtzeitdaten bereitstellen
•    Abrechnungsdaten bereitstellen
 

Was sind Einsatzverantwortlicher (EIV) und Betreiber der technischen Ressource (BTR)?

Für Redispatch 2.0 gibt es aus Ihrer Sicht künftig zwei neue „Marktrollen“ – Einsatzverantwortlicher (EIV) und Betreiber einer technischen Ressource (BTR), die mit dem Anschlussnetzbetreiber zusammen den Redispatch 2.0 managen. Diese beiden Aufgaben können entweder Sie selbst oder ein sachkundiger Dienstleister übernehmen. 

Einsatzverantwortlicher (EIV)

Der EIV kümmert sich um die Daten vor einer Redispatch-Maßnahme. Er übermittelt dem Netzbetreiber zum Beispiel die Stammdaten sowie die Prognosen Ihrer Anlage.

Betreiber der technischen Ressource (BTR)

Der BTR sendet die Abrechnungsdaten nach der Redispatch-Maßnahme. Damit kann der Netzbetreiber den Ausfall der Anlage abrechnen.

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