Die Stuttgart Netze GmbH beschreitet beim Ausbau ihres Strom-Hochspannungsnetzes einen ungewöhnlichen, aber nachhaltigen Weg: Statt neue Trassen zu bauen, nutzt das Unternehmen stillgelegte Gasleitungen, um darin moderne 110.000-Volt-Kabel einzuziehen. Dadurch schafft der Netzbetreiber die Voraussetzungen für langfristige Versorgungssicherheit und die klimaneutrale Entwicklung der Stadt.
Weniger Baustelle, mehr Nachhaltigkeit
Die ausgedienten Rohre werden zum Raum für die neue Strominfrastruktur. In Abständen von etwa 100 bis 150 Metern entstehen kleine Baugruben, über die zunächst Leerrohre aus Kunststoff und später Hochspannungskabel eingezogen werden. Eine aufwändige offene Grabenbauweise entfällt.
„Wir machen aus alter Infrastruktur Zukunftstechnik“, sagt Michael Stradner, verantwortlicher Baukoordinator bei den Stuttgart Netzen. „Die Wiederverwendung der alten Gasleitungen spart Material, Kosten und Zeit – und schont zugleich Umwelt und Verkehr. Statt eine lange Trasse aufzureißen, benötigen wir nur wenige punktuelle Baugruben. Das reduziert Lärm, Baustellen und Beeinträchtigungen für die Anwohner deutlich.“
Das Projekt umfasst eine Strecke von rund 1,5 Kilometern. Besonders erfreulich ist dabei der Abschnitt im Villa-Berg-Park: Durch das Einziehen in die alten Gasleitungen gelingt es, eine neue Hochspannungsverbindung zu schaffen, ohne die Natur oder das historische Parkensemble übermäßig zu beeinträchtigen.
Das Verlegeverfahren ist nicht nur innovativ, es ist auch kosteneffizient: Durch die Wiederverwendung der bestehenden Rohrsysteme lassen sich gegenüber herkömmlicher offener Bauweise rund 30 Prozent der Gesamtkosten einsparen.

Mit einem Seilzug werden die Leerrohre aus der benachbarten Baugrube in die stillgelegte Gasleitung eingezogen. Foto: Stuttgart Netze GmbH

Neues Leben in alten Leitungen: In die früheren Gasrohre zieht jetzt Hochspannung ein. Foto: Stuttgart Netze GmbH