Der politisch und gesellschaftlich gewollte Umstieg von konventionellen Verbrennungsmotoren auf Elektromobilität stellt deutsche Verteilnetzbetreiber vor große Herausforderungen. Um die entstehenden hohen Ladeleistungen abzudecken, sind großflächige Netzausbau- und verstärkungsmaßnahmen nötig. „Insbesondere in städtischen Regionen wie Stuttgart, wo in den kommenden Jahren eine hohe Durchdringung an Elektrofahrzeugen erwartet wird, sind die Anforderungen an die Netze hoch. Da diese Ausbaumaßnahmen langwierig und teuer sind, wollen wir nun gemeinsam mit unseren Projektpartnern auch nach alternativen, gesamtwirtschaftlich sinnvollen Konzepten forschen“, sagt Harald Hauser, technischer Geschäftsführer der Stuttgart Netze.
Um diese Bemühungen zu unterstützen und voranzutreiben hat das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg im Rahmen des „Strategiedialogs Automobilwirtschaft“ angekündigt 2,1 Millionen Euro für die intelligente Netzanbindung von Parkhäusern zur Verfügung zu stellen.
Eines dieser Konzepte ist das intelligente Lademanagement, das nun im Rahmen des Projektes iLIME (intelligentes Lade-Infrastruktur-Management für E-Mobilität) in Stuttgart implementiert und praktisch erprobt wird. „Wir wollen ein Konzept eines mehrstufigen intelligenten Lademanagementsystems entwickeln und in einer Testphase praktisch erproben. Dieses soll als Alternative zum konventionellen Netzausbau dienen und die Integration von Ladeinfrastruktur insbesondere in bestehenden Parkhäusern unterstützen“, erklärt die Universität Stuttgart.
iLIME nutzt dabei den Synergieeffekt zwischen der hohen erforderlichen Ladeleistung der E-Mobilität und der schwankenden Einspeisung durch Erneuerbare Energien, indem Speicher als flexible Pufferelemente integriert werden. Eine Herausforderung besteht immer noch darin viele Elektrofahrzeuge gleichzeitig zu laden. „Aus diesem Grund ist es zwingend erforderlich, dass die Batteriespeichersysteme ständig mit der Ladeinfrastruktur und dem Hausnetz im Rahmen des Lastmanagements kommunizieren“, beschreibt Karl Knezar, Leiter Vertrieb Ladeinfrastruktur bei der ADS-TEC GmbH.
Diese permanente Kommunikation ist aufgrund der häufig begrenzten Netzanschlussleistung in bestehenden Parkhäusern erforderlich. Die Fa. ADS-TEC besitzt fundierte Erfahrungen im Bereich der Kombination zwischen Speicher und Ladeinfrastruktur. Als Kooperationspartner dieses Vorhabens installiert ADS-TEC ein Speichersystem der neuesten Generation.
iLIME bietet uns die besten Voraussetzungen das dynamisches Lastmanagement zu optimieren, mithilfe dessen Netzausbaumaßnahmen reduziert, wenn nicht sogar verhindert werden können.“ sagt Bernhard Wittenberg, technischer Produktmanager bei ChargeHere - eine Innovation der EnBW.
Das Lademanagementsystem steuert dabei für jedes angeschlossene Fahrzeug dynamisch den Ladevorgang unter Berücksichtigung der aktuellen Netzauslastung, historischen Ladeprofilen und des Speicherzustands. Das Kundenportal „MyPBW“ der Parkhausbenutzer bildet eine weitere Datengrundlage für das lokale und übergeordnete Lademanagementsystem. „Diese Daten werden verwendet, um das dynamische Lastmanagement durchzuführen und eine Lastprognose über den Tagesverlauf zu generieren um die erforderliche Leistung optimal einzuteilen und abzudecken“, sagt Gebhard Hruby, Geschäftsführer der Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg. In Stuttgart betreibt das Unternehmen beispielsweise die Parkgaragen Landtag, Staatsgalerie und Haus der Geschichte.