Wie groß der Nutzen ist, zeigte ein Projekt am Porscheplatz in Zuffenhausen. Dort sollte eine neue Hochspannungsleitung verlegt werden, obwohl der Untergrund bereits stark belegt war. Eine alternative Trasse kam nicht infrage, eine Umlegung vorhandener Leitungen wäre mit hohem Aufwand und Kosten verbunden gewesen. Deshalb ließ das Team die vorhandenen Leitungen vor Ort erneut vermessen – einschließlich ihrer exakten Tiefenlage. Dafür kamen spezielle Messverfahren zum Einsatz.
Auf dieser Grundlage modellierte Otto Lerke, Ingenieur im Team Hochspannung bei den Stuttgart Netzen, die gesamte Leitungssituation dreidimensional in einer Spezialsoftware. So ließ sich die neue Hochspannungsleitung präzise an bestehenden Leitungen vorbeiführen. Zusätzliche Straßenaufbrüche oder eine Neuplanung waren nicht erforderlich. „Das spart Bauzeit, senkt Kosten und reduziert Eingriffe in den Verkehrsraum“, sagt Lerke.
Digitaler Zwilling des Untergrunds
Grundlage der dreidimensionalen Netzplanung ist ein vollständiges digitales Abbild des Untergrunds. Dieses geometrische Abbild kann nach der semantischen Modellierung für den Digitalen Zwilling oder die Arbeitsmethode Building Information Modeling (BIM) weiterverwendet werden. Anders als in klassischen Leitungsplänen werden Bauteile dabei nicht nur sichtbar gemacht, sondern mit technischen Informationen verknüpft – etwa zu Material, Abmessungen oder Kosten. „Ein Leerrohr ist damit nicht nur eingezeichnet, sondern vollständig beschrieben. Das erhöht die Planungssicherheit und erleichtert die Abstimmung zwischen allen Beteiligten“, erklärt Paul Schwan, Teamleiter Hochspannung.
Was sich im Hochspannungsbereich bewährt, könnte künftig auch in anderen Bereichen im Stuttgarter Strom- und Gasnetz eingesetzt werden. Denn je genauer der Untergrund digital erfasst ist, desto weniger Aufwand entsteht später auf der Baustelle. Oder anders gesagt: Was sich vorab im Modell lösen lässt, muss später nicht im Boden korrigiert werden.
